Corona-Tagebuch #6 | 01.04. – 05.04.

Routine, Schülerbefragung und Ferienbeginn

So ungewöhnlich die Situation für alle Beteiligten ist, hat sich in den letzten zweieinhalb Wochen doch auch eine gewisse Routine eingestellt. Die Lehrkräfte nehmen Erklärvideos auf, erstellen Online-Quizze, nutzen alle möglichen Tools und nehmen an Lehrer-Videokonferenzen teil, als hätten wir das schon immer so gemacht. Insofern wirkt die Corona-Krise schon auch als Katalysator für den Digitalisierungsprozess an Schulen; zumindest dort, wo eine grundsätzliche Bereitschaft da ist, sich intensiv mit all diesen Dingen auseinanderzusetzen, im Alltag aber die Zeit und vielleicht auch ein bisschen die Veränderungsnotwendigkeit gefehlt hat.

Die Nutzerzahlen der digitalen Klassenzimmer sind weiter auf hohem Niveau stabil, während die Nutzungsintensität an den Wochenenden eher abnimmt; auch das ein Signal für eine gewisse Routine.

In den ersten drei Wochen wurden rund 113.000 Nachrichten in den digitalen Klassenzimmern geschrieben, wobei es weiterhin so ist, dass die informelle Kommunikation die formelle um etwa den Faktor 3-4 übersteigt:

Zu den Ferien hin nimmt dann alles etwas ab; ich interpretiere das so, dass alle nun ein bisschen müde sind und sich auch auf die Auszeit freuen. Umso verwunderter nehme ich zur Kenntnis, dass einzelne Politiker laut darüber nachdenken, auch während der Ferien weiterhin Aufgaben zu stellen. Davon halte ich gar nichts, Ferien sollten auch in dieser außergewöhnlichen Situation Ferien bleiben und der Erholung und ja – auch der Langeweile und dem Müßiggang dienen. Ich bin erleichtert, als auch das Kultusministerium diese Leitlinie für die Ferien herausgibt.

Nach den Eltern und den Lehrkräften haben wir auch die Schülerinnen und Schüler zu ihren Erfahrungen mit dem digitalen Fernlernen befragt; hier einige Ergebnisse, die wir auch auf der Schulhomepage veröffentlicht haben:

Die Lehrkräfte können weiterhin bei ihren Aufgabenstellungen nicht davon ausgehen, dass eine einheitliche Geräteausstattung vorhanden ist. Fast ein Drittel der Schülerinnen und Schüler arbeitet mit kleinen Mobilgeräten, auf denen bestimmte Arbeiten wie beispielsweise die Erstellung oder Überarbeitung eines Textes nur sehr eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich sind. Diesem Umstand müssen wir mit umsichtigen Aufgabenstellungen begegnen, die beispielsweise mehrere Lösungsmöglichkeiten anbieten.

Diese Rückmeldungen sind für uns natürlich sehr motivierend, insbesondere freut es mich zu sehen, dass die intensiven Bemühungen der Lehrkräfte, den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu halten, auch wahrgenommen werden. Der allergrößte Teil der Schülerinnen und Schüler meldet sich täglich in den digitalen Klassenzimmern an; eine Rückmeldung, die wir auch aus den Nutzungsstatistiken bestätigt sehen. Am Ende der zweiten Woche haben sich auch die Probleme mit der Technik weitgehend gelegt. Ein Teil der Kinder und Jugendlichen hat noch Schwierigkeiten, die Aufgaben zu finden; das ist ein Punkt, der auch in den individuellen Rückmeldungen oft genannt wird, hier werden wir uns um noch mehr Einheitlichkeit und Struktur bemühen müssen. Rund 10 % der Schülerinnen und Schüler gibt an, mit der Situation insgesamt nicht gut zurechtzukommen, ein Prozentwert, der niedriger ist, als ich befürchtet hatte. Trotzdem werden wir weiterhin die Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten offensiv kommunizieren, um bei Bedarf unterstützend wirken zu können.

Über 90% der Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie ohne Hilfe oder mit etwas Hilfe ihrer Eltern die Aufgaben erledigen können. Schule darf in der Krisensituation nicht als zusätzlicher Belastungsfaktor in die Familie hineinwirken, davon bin ich fest überzeugt. Insofern freue ich mich über dieses Ergebnis. Die 8%, die viel oder sehr viel Unterstützung benötigen, nehmen wir genauer unter die Lupe und stellen fest, dass es hier keine auffälligen Häufigkeiten über die Jahrgangsstufen oder innerhalb einer Klasse gibt. Ich vermute, dass die Ursachen für diesen starken Unterstützungsbedarf eher in individuellen Aspekten zu finden sein könnten als in systemisch-organisatorischen Dingen. Von daher ist es vielleicht hier auch eher die individuelle Beratung und Unterstützung, die helfen kann und weniger eine Veränderung der Rahmenbedingungen.

Das ist spannend und das hätte ich so auch nicht unbedingt vermutet. Nur etwas weniger als die Hälfte der Kinder sehnt sich nach der „normalen“ Schule zurück; etwas mehr als die Hälfte gibt an, dass diese Art des Lernens durchaus noch einige Wochen oder sogar für immer so weitergehen könnte. Es wäre interessant zu erfahren, was die Beweggründe derjenigen sind, die am liebsten für immer so lernen würden. Genießen Sie die individuelle Freiheit oder ist der Besuch der Schule mit unangenehmen Erfahrungen verbunden?

Dann sind die Ferien in Sicht. Die letzten Wochen waren doch anstrengender als ich dachte. Diese ständige Habachtstellung mit dem permanenten Gefühl, etwas zu vergessen oder zu übersehen, sorgt zumindest bei mir für eine dauerhafte Anspannung, die es schwer macht, loszulassen und den Kopf freizubekommen.

Angeregt von kreativen Beispielen, die mir bei Twitter über den Weg laufen, starten wir dennoch am Donnerstag noch ein spontanes kollegiales Videoprojekt. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler mit einem gemeinsamen Gruß in die Ferien verabschieden. Am Ende ist das natürlich viel aufwändiger als gedacht, über das Ergebnis freuen wir uns aber gemeinsam sehr:

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