Seid ihr (noch) alle da? | Corona-Tagebuch #16

21.09. – 02.10.2020

Vier Wochen Schule im Vollbetrieb sind geschafft: Keine Lehrkraft in Quarantäne, alle Klassen vollzählig im Unterricht. Das kann sich natürlich schlagartig ändern, trotzdem bin ich froh und dankbar, dass wir bisher verschont geblieben sind. Die 7-Tages-Inzidenz im Landkreis ist niedrig, sodass im Unterricht keine Masken getragen werden müssen.

Alles ganz normal also?

Keineswegs. Das Schulleben läuft auf Sparflamme: Die Wahlunterrichte sind zugunsten der Förderunterrichte aufs Minimum reduziert, mehrtägige Fahrten entfallen, auch Exkursionen finden kaum statt. Die Chorklassen könnten zwar in der Aula mit 2 Meter Abstand proben; wirklich gut klappt das aber nicht, weil die Schüler:innen sich da wie auf dem Präsentierteller fühlen und sich kaum einer den Mund aufzumachen traut. Da braucht es jetzt Durchhaltevermögen.

IHK Bildungspartnerschaft

Wirklich stolz bin ich darauf, dass die Realschule Tegernseer Tal eine IHK-Bildungspartnerschaft mit der Papierfabrik Louisenthal geschlossen hat; das ist eine große Ehre für unsere junge Schule und ich bin gespannt, was aus dieser Partnerschaft noch wachsen wird:

Spende für Moria

Mindestens genauso stolz bin ich auf die Entscheidung unserer Schülersprecher:innen, aus dem Überschuss des letztjährigen Adventsmarktes eine Spende für die Flüchtlinge von Moria zu geben. Als Adressaten haben wir uns für „Ärzte ohne Grenzen“ entschieden. Zufällig bin ich darauf aufmerksam geworden, dass ich eine der Mitarbeiterinnen des Berliner Büros der Hilfsorganisation persönlich kenne, sodass wir die Möglichkeit hatten, einen gemeinsamen Videocall zu halten. Das Gespräch haben wir aufgezeichnet, sodass alle interessierten Klassen es anschauen können und dabei einerseits etwas über die Situation vor Ort erfahren und außerdem aus erster Hand gesagt bekommen, wofür ihre Spende eingesetzt wird.

Das Drama mit dem Regenbogenstift

Mit unseren Convertibles hatten wir ein kleines, dafür umso ärgerlicheres und zugleich auch kurioses Problem: Bei der Verbindung zum Beamer über HDMI stürzt die Software reproduzierbar ab, wenn man mit dem digitalen Stift schreibt:

Eine Nachtschicht später war klar: Es liegt nicht an uns. Meines Erachtens ein Armutszeugnis, das Microsoft hier abliefert: So ein Fehler darf eigentlich nicht passieren. Und wenn doch, muss er zeitnah behoben werden. Und wenn das nicht geht, muss man wenigstens transparent kommunizieren, wo das Problem liegt. So ist das aber großer Mist.

Etliche Stunden später konnten wir ein paar Workarounds identifizieren:

  • Der Regenbogenstift schreibt problemlos (meine Lieblingslösung).
  • In der Whiteboard-Software gibt es keine Probleme, wenn das Lineal aktiviert ist.
  • Bei drahtloser Verbindung tritt das Problem nicht auf.

Gut, dass wir aus den Mitteln des letzten Förderpakets noch eine Kiste MS Wireless Adapter rumstehen hatten, die wir eigentlich erst im Frühjahr bei der Renovierung der Präsentationsmedien einbauen wollten. In einer Spontanaktion hat dann eine Gruppe Lehrkräfte die 40 Adapter verbaut und bei der Gelegenheit auch gleich ein Audio-Kabel vom Beamer zu den Lautsprechern gezogen, damit der Ton auch drahtlos übertragen werden kann. Natürlich ist das nicht die Aufgabe von Lehrkräften; aber ein Team leiten zu dürfen, in dem sowas einfach schnell selbst gemacht wird, damit alle besser arbeiten können, dafür bin ich dankbar.

Digitaler Klassenelternabend

Die Klassenelternabende für die 5. Klassen haben wir in Präsenz gemacht (große Räume, ein Elternteil pro Kind, Abstand), die der Jahrgangsstufen 6-10 online. Teilnahmequote über alle Klassen hinweg fast 80%, damit sind wir sehr zufrieden. Die nötigen Informationen konnten so gut weitergegeben werden; der Humor und das Zwischenmenschliche bleiben bei diesem Format nach dem Feedback der Lehrkräfte allerdings ein bisschen auf der Strecke. Ich kenne das selbst auch von den Online-Fortbildungen, die ich gelegentlich halte; insbesondere dann, wenn viele TN ihre Kameras ausschalten, kommt man sich manchmal vorm Bildschirm etwas einsam vor. Ganz anders als beim digitalen Elternsprechtag: Da ist es im 1:1 Kontakt besser gelungen, einen direkten Draht zum Gegenüber aufzubauen.

Nutzung digitaler Räume im Vollbetrieb

Spannend ist die Frage, ob als Folge der Schließung der Schulgebäude nun digitale Räume als Ergänzung zum Lernen in der Schule intensiver genutzt werden. Ich habe mir dazu mal die Statistik der letzten 180 Tage angeschaut:

Man sieht, dass im Wechselbetrieb vor den Sommerferien der digitale Lernraum noch absolut im Zentrum des Lernens stand und äußerst rege genutzt wurde. Nach den Ferien geht es jetzt erst langsam wieder nach oben. Trotzdem sind die Zugriffszahlen schon jetzt weit über dem Niveau, auf dem sie vor Corona lagen: Hatten wir seinerzeit ca. 80-100 Logins pro Tag, sind es nun im Mittel 300-400. Ich bin gespannt, wie sich das auf Dauer entwickelt.

Und so sieht’s hier aus, wenn ich es gelegentlich vor der Dunkelheit aus dem Schulhaus schaffe 😉

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