Schule als Treiber der Pandemie? | Corona-Tagebuch #19

02.11. – 22.11.2020

Abschaffung des Stufenplans / Neuer Hygieneplan

Im letzten Eintrag (Die Lage spitzt sich zu) habe ich festgestellt, dass die Stufenpläne aus dem Sommer bzw. vom Schulanfang von der Wirklichkeit überholt wurden und trotz vielfacher Inzidenzwerte die in den Plänen vorgesehenen Maßnahmen an kaum einer Schule umgesetzt wurden. Konsequenterweise wurde der Stufenplan dann nun auch offiziell außer Kraft gesetzt. In diesem Zusammenhang fand ein weiterer „Schulgipfel“ statt, der allerdings wenig konkrete Ergebnisse lieferte:

„Ich hatte mir etwas mehr erhofft, etwas Konkreteres, für den Moment müssen wir uns zufrieden geben, dass weiterhin Gespräche stattfinden.“

Michael Schwägerl, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (Quelle)

Am Freitagnachmittag der Herbstferien wurde dann ein neuer Hygieneplan samt Schreiben des Ministers verschickt. Aus irgendwelchen Gründen hat dieses Schreiben allerdings viele Schulen erst am Sonntagvormittag erreicht, da war dann natürlich nicht mehr so viel Zeit, die Änderungen an Lehrkräfte und Eltern zu kommunizieren. Für uns war das nicht so schlimm, weil es gegenüber dem Zeitraum vor den Herbstferien fast keine Änderungen gab. Der größte Unterschied war eine Attestpflicht bzw. Testpflicht für Schüler:innen mit Erkältungssymptomen, die allerdings dann schon nach nur einer Woche wieder zurückgenommen wurde.

Kritik von Eltern- und Lehrkräfteverbänden

Nachdem sich in den letzten Wochen wegen der rasant gestiegenen Inzidenzzahlen die Lage zugespitzt hat, trifft das nun für die Stimmung zu: Lehrerverbände (Unverantwortlich – Länderchefs verhindern strukturelle Anti-Corona-Maßnahmen an Schulen) und Elternverbände (Eltern und Schulen werden sich selbst überlassen) üben harte Kritik an der Kultuspolitik, dies jedoch aus sehr unterschiedlichen Perspektiven: Während Erstere mehr Gesundheitsschutz für Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte fordern, bemängeln Zweitere fehlende Einheitlichkeit der Regeln und fordern mehr Mitsprache und weniger Prüfungs-/Leistungsdruck. Im offenen Brief der Eltern wird auch – nicht zum ersten Mal – ein synchroner Distanzunterricht für Schüler:innen in Quarantäne gefordert. Das klingt naheliegend und ich hätte durchaus Lust, das mit gutem Equipment und rechtlicher Absegnung mal ausführlicher zu testen; welche Schwierigkeiten dennoch damit verbunden sind, hat der Kollege Michael Graf hier sehr anschaulich zusammengestellt.

Kuriositäten/Bemerkenswertes

(Fast) jede:r hat also zum Thema Schule etwas beizutragen, was es vor Ort ehrlich gesagt nicht besser macht. Wir arbeiten und lernen alle so ein bisschen wie in der Warteschleife, weil man immer davon ausgehen muss, dass der Betrieb von heute auf morgen wieder ganz anders aussehen kann. Das macht müde; dazu die latente Gefahr der Ansteckung, die für einen Teil der Schulgemeinschaften mittlerweile sehr konkret geworden ist: Drei verstorbene Kinder und Jugendliche sowie zehn an COVID-10 verstorbene Mitarbeiter:innen von Kitas, Horten und Schulen weist der RKI-Situationsbericht vom 22.11.2020 aus:

Die örtliche Tageszeitung hat auch mal wieder bei den Schulen nachgefragt, wie es so geht (Miesbacher Merkur vom 19.11.):

Und an der Schule?

Gehen die Dinge ihren Gang. Der Betrieb beschränkt sich halt nach wie vor auf Unterricht, Prüfungen, Maskentragen, Aufrechterhaltung der Trennung der Pausenbereiche, Kopfschütteln über (unverändert) volle Schulbusse, (viele) Online-Besprechungen, KMS lesen, Statistiken pflegen, einzelne Klassen und zahlreiche Schüler:innen in Quarantäne. Nachdem dieser Zustand wohl noch Wochen, vermutlich Monate so weitergeht, wird die nächste Herausforderung sein, sich in diesem grauen Schulalltag ein bisschen Abwechslung und Fröhlichkeit zurückzuerobern. Mit der Aussicht, dass die Maskenpflicht eher länger als kürzer fortgesetzt wird, mehren sich auch diesbezüglich die kritischen Stimmen einzelner Eltern. Noch bewegt sich das in sehr höflichen Grenzen; da bin ich mal gespannt, wie das weitergeht.

Leistungsprämie für Schulleiter

Wir sind ja schon eifrig dabei, die Prämie für Burger und Pizza auszugeben (Zwischenstand: 320,- Euro), um der örtlichen Gastronomie beim Überleben zu helfen. Nun ist es in Bayern so, dass ein Leistungsprämie immer eine ganz besonders herausragende Einzelleistung voraussetzt und so ganz individuell wertschätzend ist es in der Begründung dann doch nicht ausgefallen 😉

Sind Schulen denn nun Treiber der Pandemie?

Sieht so aus.

Uns sonst so?

Der Winter ist da. Zumindest oberhalb von rund 900 Metern.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.