mebis und Teams – (k)ein Vergleich

Wegen der erneuten Ausfälle am Beginn des zweiten Lockdowns musste das bayerische Lernportal mebis viele Prügel einstecken. Und oft wird dann der Vergleich zu MS Teams gezogen, das vom bayerischen Kultusministerium den Schulen seit Mai 2020 ergänzend zur Verfügung gestellt wird. Dabei wissen viele Journalist*innen, Politiker*innen und Eltern gar nicht, was Mebis eigentlich ist, was Teams for Education kann und warum es am Ende gar nicht mal so viel Sinn macht, die beiden Plattformen zu vergleichen.

Bildquellen: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Moodle_logo_small.svg (CC BY-SA 4.0)
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Microsoft_Office_Teams_(2018%E2%80%93present).svg
Was ist mebis?

mebis ist eine Bildungsplattform mit vielfältigen Teilangeboten:

  • Infoportal mit Anregungen zu Medienerziehung und Mediendidaktik
  • Mediathek mit über 70.000 Audio- und Videoinhalten
  • Prüfungsarchiv mit rund 5500 Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten
  • mebis-Tafel: eine browserbasierte Whiteboard-Software
  • mebis-Lernplattform: Kursmanagementsystem auf Basis der Software moodle

Wenn in den Medien von mebis die Rede ist, ist meistens die Lernplattform gemeint. Die anderen Module sind zwar für Lehrkräfte im Alltag eine große Unterstützung, sind aber für die Schüler*innen und auch in der Öffentlichkeit kaum präsent. Auch in diesem Text geht es nur um die Lernplattform; ich werfe den Blick also eigentlich gar nicht auf mebis und Teams, sondern auf moodle und Teams.

Was ist moodle? Wofür eignet es sich?

moodle ist ein Lernmanagementsystem (LMS). Es stellt virtuelle Kursräume zur Verfügung, in denen Lernaktivitäten stattfinden. Lernplattformen auf der Basis von moodle gibt es schon sehr lange (Erscheinungsjahr: 2002) und sie sind sehr beliebt; weltweit gibt es über 200.000 aktive Sites mit rund 250 Millionen Nutzer*innen. Diese Lernaktivitäten sind recht vielfältig:

moodle eignet sich ganz hervorragend, um Lernpfade durch Inhalte zu planen, die die Lernenden dann Schritt für Schritt durchlaufen. Die Inhalte sind dann eher statisch, die Interaktion bedient sich klassischer Formate: Foren, Nachrichten, wikis, in manchen moodle-Instanzen auch ein Chat. Die Teilnehmer*innen bearbeiten Aufgaben und geben diese ab, die Lehrkraft kann Feedback dazu geben und eine Bewertung vornehmen. Am Ende wird der Kurs mit wenigen Klicks geleert und für die nächste Lerngruppe kopiert. Auch Selbstlernkurse, die gar keine Interaktion mit einer/einem Trainer*in mehr brauchen, lassen sich mit moodle prima gestalten; die Lehrerfortbildungsakademie in Dillingen bietet viele solcher Kurse an.

Was ist die Herausforderung mit moodle?

moodle gibt es an Bayerns Schulen schon lang. Von 2006-2014 wurde eine Instanz für die Gymnasium betrieben („BayernMoodle“), für die Realschulen gab es das „BRN-Moodle“. Beide Plattformen sind ab 2014 in mebis aufgegangen, die vorhandenen Kurse wurden teilweise migriert, teilweise eingestellt. Dennoch ist moodle nach meiner Wahrnehmung nie wirklich in der Breite an Bayerns Schulen angekommen.

Warum nicht?

Einen guten, durchdachten moodle-Kurse zu erstellen, ist nicht ganz einfach (auch wenn die Fortbildenden bisweilen anderes behaupten). Man braucht medienpädagogisches Knowhow, einige technische Kenntnisse und viel Zeit. Für jemanden, der z.B. schonmal eine Homepage selbst erstellt hat, ist das kein Problem; die durchschnittliche Lehrkraft ist aber von der steilen Lernkurve überfordert und nur wenige schaffen es über diese Anfangshürde hinweg, um die vielfältigen Möglichkeiten dann auch kompetent zu nutzen. Wenn der Kurs aber einmal erstellt ist, kann man viele Jahre damit Freude haben: Ich betreue zum Beispiel seit 2012 E-Learning-Kurse für die ALP zur Bildbearbeitungssoftware GIMP und es war wirklich eine Heidenarbeit, diesen Kurs zu erstellen; danach ist es aber fast ein Selbstläufer und man braucht den Kurs an sich kaum mehr anzufassen, sondern kann sich auf die Betreuung der Teilnehmer*innen konzentrieren.

Gute moodle-Kurse sind dann wie eine Art interaktives Schulbuch: Mit abwechslungsreichen Methoden und Inhalten werden die Lernenden hin zu den Lernzielen geführt.

Wie nutzen Lehrkräfte moodle?

Viele Lehrkräfte – insbesondere die, die erst jetzt in der Corona-Situation gezwungen waren, sich mit moodle zu befassen – nutzen ihren Kurs nur, um Arbeitsaufträge zu formulieren und Material bereitzustellen. Die User-Experience von moodle ist dabei meines Erachtens ein bisschen altbacken, sodass es oft einige Klicks mehr braucht, um etwas zu erreichen. Am Ende wird das Erlebnis mit moodle dann womöglich negativ beurteilt, weil Benutzerführung und Interface im Vergleich mit verbreiteten Kommunikationsapps weniger intuitiv sind. Dass diese Art der Nutzung aber nur an der Oberfläche von moodle kratzt, spielt dann keine Rolle mehr, der goldene Kern von moodle – nämlich das Erlebnis variantenreicher Lernpfade – wird von diesen Nutzer*innen überhaupt nie erreicht.

Anforderungen an zeitgemäße Bildung – Kompetenzorientierung

Es wäre zu kurz gesprungen, moodle-Kurse lediglich als interaktive Schulbücher oder Container für behavioristisch abzuarbeitende Lernpfade anzusehen; natürlich ist es auch möglich, vielfältige Formen der Interaktion und Zusammenarbeit in moodle-Kurse zu integrieren. Das benötigt aber – wie oben schon beschrieben – einiges Knowhow und Zeit für die Kurserstellung und: Moodle ist keine Kommunikationsplattform.

Was ist Teams for Education?

Microsoft Teams ist eine recht junge (Erscheinungsjahr 2017) Kommunikations- und Kollaborationsplattform, an die sich vielfältige weitere Dienste und Inhalte andocken lassen. Im Mittelpunkt stehen Kommunikation und Zusammenarbeit via:

  • Chat
  • Audioanruf (auch mit einer Gruppe von Personen)
  • Videoanruf (auch mit vielen Personen als Videomeeting)
  • Dateiablage
  • integriertem Online-Office (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation, etc.)
  • Notizbuch

Teams vernetzt Menschen, die gemeinsam Dinge tun: an Dokumenten arbeiten, diskutieren, Inhalte miteinander teilen. Und es tut das auf sehr intuitive Weise: Die Bedienung der grundliegenden Funktionen orientiert sich an bekannten Apps – so kann man z.B. direkt aus der Handy-Teams-App Fotos und Videos aufnehmen und mit einem Tipp in den Chat oder ein digitales Klassenzimmer stellen.

Teams for Education bringt zusätzlich eine Rollenverwaltung (student/teacher) und ein Aufgabenmodul mit sowie mit dem Classnotebook eine Möglichkeit, vorbereitete Inhalte zur Verfügung zu stellen und/oder miteinander zu erarbeiten; der Ausgangspunkt ist aber die Kommunikation und Zusammenarbeit, weniger der konkrete Inhalt.

Teams versteht Lernen als #corporatelearning, also sozialen Prozess, der in Kommunikation entsteht und in Kollaboration und Co-Kreation münden kann (gemeinsames Arbeiten in der Cloud). In der beruflichen Weiterbildung ist dieser Lernansatz schon verbreiteter als in der Schule.

Miriam Lerch

Wie arbeiten Schulen mit Teams?

Viele Schulen nutzen Teams vor allem als Videokonferenzsoftware, dabei ist das nur ein ganz kleiner Teil der Möglichkeiten. Wie wir in der ersten Phase der Pandemie unsere komplette Schule in Teams abgebildet haben, ist hier in diesem Good-Practice-Beispiel auf der Homepage des ISB nachzulesen.

Warum kommt Teams gerade so gut an?

Neben der Verfügbarkeit schätze ich, dass es vor allem die intuitive Bedienbarkeit der Grundfunktionen ist, die Teams so beliebt machen: Arbeitsaufträge stellen, Feedback geben, miteinander in Kontakt bleiben, mit einem Klick Online-Meetings abhalten – und das mit PC, Handy, Tablet, egal auf welchem Betriebssystem: Das sorgt für schnelle Erfolgserlebnisse und hohe Akzeptanz. Dazu kommt ein gewisser Spaßfaktor durch Anlehnungen an soziale Medien: In Teams kann man Beiträge liken, mit Herzchen versehen und aus einer großen Auswahl Memes und GIFs in die Konversation einfügen.

Teams und moodle – (k)ein Vergleich?

Natürlich kann man Teams und moodle vergleichen, so wie der Kollege das hier gemacht hat:

Auf den ersten Blick klingt das auch plausibel. Ich halte den Vergleich trotzdem nicht für weiterführend, weil hier nicht die Tools an sich, sondern nur deren Anwendung (in einem eng umgrenzten Nutzungsszenario) in einer ganz bestimmten Ausnahmesituation verglichen werden. Obendrein setzen Teams und moodle, wie wir gesehen haben, im Kern völlig andere Schwerpunkte:

moodle ist ein geniales Werkzeug zur abwechslungsreichen Gestaltung von wiederkehrenden Lernpfaden.
Teams ist ein geniales Werkzeug, um Menschen zu vernetzen, die miteinander arbeiten und lernen.

Natürlich kann moodle auch Kommunikation und selbstverständlich kann ich in Teams, insbesondere im Classnotebook auch Lernpfade gestalten. Aber jeweils weniger einfach und weniger nachhaltig.

Damit ist auch klar, warum Teams in der Pandemie, als Plattform für die Nachbildung von Präsenzunterricht im digitalen Raum (so sieht es das Rahmenkonzept für den Distanzunterricht in Bayern vor), oft in der subjektiven Bewertung der Lehrkräfte die Nase vorn hat:

  • Unterricht ist in erster Linie ein kommunikatives Geschehen. Dass eine Plattform, die diesen Aspekt zentral in den Mittelpunkt stellt, dabei gut abschneidet, ist kaum verwunderlich.
  • Alles unter einem Dach: Teams integriert Kommunikation, Zusammenarbeit, Dateiablage und Lernen in einer Anwendung; weitere Inhalte/Webseiten lassen sich auf einfachste Weise integrieren. Das erleichtert insbesondere mit jüngeren Schüler*innen die Arbeit enorm.
  • Die Lehrkräfte haben in der Breite nie gelernt, digitale Lernpfade mit moodle zu gestalten; so werden oft nur wenige Funktionalitäten genutzt, die anderswo leichter zu haben sind.
  • Dazu kommt natürlich der Aspekt der Verfügbarkeit, der aber auf lange Sicht nicht ausschlaggebend sein darf.
Das mebis-Dilemma

Wir haben jetzt das Problem, das mebis-moodle als etwas verkauft wurde, wofür es nie gedacht war (Warum mebis nicht zum Bashing taugt) und was es auch mittelfristig vermutlich nicht leisten kann: nämlich als Dreh- und Angelpunkt des Distanzunterrichts zu dienen in einer absoluten Ausnahmezeit der Pandemie mit geschlossenen Schulgebäuden. Es war gedacht als unterrichtsbegleitende Plattform, die digitale Inhalte und Aktivitäten im normalen schulischen Alltag bereitstellt. Und leider ist moodle – so zumindest meine Wahrnehmung – aufgrund der steilen Lernkurve in der Breite nie angekommen, sodass in den letzten Jahren zwar immer hunderttausende Schüler*innen bei mebis angemeldet waren, diese aber nie realistische Lasten erzeugt haben.

Im Rückblick kann man vielleicht sagen, dass es im März ein Fehler war, mebis diese Rolle aufzubürden; aber hinterher ist man eben immer gescheiter. Jetzt besteht die konkrete Gefahr, dass aufgrund der technischen Probleme mebis in den Köpfen vieler Kolleg*innen ein Stück weit „verbrannt“ ist.

Wer sich noch intensiver damit befassen möchte, warum es so schwierig ist, landesweite oder bundesweite Schulclouds ohne Rückgriff auf kommerzielle Lösungen „der Großen“ zum Laufen zu bekommen, dem sei folgender wirklich hervorragender und technisch tiefschürfender Text von Maik Riecken empfohlen:

Warum bekommen es die Kultusministerien einfach nicht hin mit den Schulclouds?

Wie könnte die Zukunft aussehen?

Zeitgemäßes schulisches Lernen (Schule im Wandel – eine Geschichte in 15 Bildern) braucht meines Erachtens eine digitale Plattform, die einfach und intuitiv Kommunikation, Zusammenarbeit (z.B. gemeinsame Arbeit an Dokumenten), einfache Integration von audiovisuellen Inhalten, Dateiablage, etc. geräte- und betriebssystemunabhängig ermöglicht. Ob das jetzt Teams ist oder eine andere Software, ist dabei zweitrangig.

Lernen findet aber nicht im luftleeren Raum statt und es ist auch nicht egal, an welchem exemplarischen Inhalt Kompetenzen erworben werden: Viele Inhalte der (ja, überfrachteten) schulischen Bildungspläne sind elementare Grundlagen, allgemeinbildend oder fachspezifisch vorbereitend. Und da liegt die Chance von einem System wie moodle: Diese elementaren Inhalte der Bildungspläne sollten von den besten Digitaldidaktiker*innen in kreative, abwechslungsreiche, interaktive moodle-Kurse gegossen werden, die dann als OER im gesamten deutschsprachigen Raum zur Verfügung stehen. Und diese Kurse betten wir dann als Kristallisationskeime des Lernens in unsere Kommunikationssysteme ein:

Bild

Dass aber jede Lehrkraft moodle-Kurse für ihre Lerngruppen selbst erstellen soll, halte ich für den falschen Ansatz: Das verschwendet Ressourcen und frustriert die Kolleg*innen. Natürlich sollten engagierte Lehrkräfte immer die Möglichkeit haben, Kurse selbst zu erstellen und zu pflegen. Ich glaube aber nicht, dass das als Standard-Anwendungsszenario langfristig erfolgreich sein kann. Wenn aber nur ein Bruchteil des Geldes, das in Deutschland jährlich für Schulbücher ausgegeben wird, für die Freistellung von moodle-Expert*innen verwendet würde, könnten wir in kürzester Zeit aus einem Kursfundus schöpfen, den sich heute wohl noch niemand vorstellen könnte.


23 Kommentare

  1. Schade, dass hier nicht das Videokonferenz-PlugIn BigBlueButton für moodle erwähnt wird.
    So gelingt auch in moodle intuitive Kommunikation.
    An unserer Schule etabliert sich diese Variante immer mehr.

    1. Vielen Dank für den Hinweis! Ja, es gibt für moodle hunderte Erweiterungen, die die Kommunikation leichter machen. Ich hab das hier nicht erwähnt, weil die Grundlage des Artikels ja das bayerische mebis-moodle ist und hier die Option (noch) nicht gegeben ist, ein Messenger- oder Videokonferenzsystem anzudocken.

    2. BBB ist eine reine Katastrophe im Vergleich zu anderen Plattformen. Bei BBB kann man nicht mal die Lautstärke einzelner Teilnehmer regulieren…und man kann sich selbst nicht sehen, wenn man die Kamera anschaltet…Grundlegende Funktionen die gefühlt jedes normale Programm besitzt…aber die dürfen wir wegen des Datenschutzes nicht nutzen…

      1. @Tanja und Tobias: Das Kumi hat 2016 eine BBB-Integration für Mebis geplant (https://t1p.de/webconferencingmebis). Warum das bis heute nicht geschehen ist, weiß vermutlich auch im Kumi keiner…
        @Paul: Bei BBB kann man sich selber sehen und ich habe BBB vor Weihnachten täglich für meinen Hybridunterricht genutzt – und der hat technisch überraschend gut funktioniert. Man kann sich selber und die anderen Teilnehmer sehen, den eigenen Bildschirm teilen, Präsentation in BBB abspielen und direkt mit einem Eingabestift bearbeiten, Breakout-Räume erstellen, um Arbeitsaufträge arbeitsteilig bearbeiten zu lassen….
        Mehr brauch ich eigentlich nicht.
        Was aber hier leider wieder ein Problem ist, sind die öffentlichen Stellen. Meist haben in den Landkreisen die Server für BBB bereitgestellt – und haben trotz der Erfahrungen im Frühjahr nicht berücksichtig, dass bei einem Wechsel- bzw. Distanzunterricht gleichzeitig tausende Schüler eines Landkreises zeitgleich damit arbeiten müssen. Deswegen sind leider die Server viel zu klein gewählt worden…

        1. Das ist schon auch ein Kostenfaktor, ich hab mal ein Angebot rausgesucht: Ein BBB-Server für 600 gleichzeitige TN (davon 100 mit aktiver Webcam) kostet rund 300,- Euro pro Monat. Diese Serverkapazitäten für alle Schulen in BY bereitzuhalten nur wegen der seltenen Lastspitzen bei der Schließung von Schulgebäuden in absoluten Ausnahmesituationen, ist ökonomisch wie ökologisch m.E. wenig sinnvoll; sich an hoch skalierenden Systemen zu beteiligen schon eher.

  2. Sehr gute Ausführungen. Mir gefällt der abschließende Gedanke, der im Ansatz in Mebis über die „Tauschkurse“ bereits umgesetzt wird. Sobald diese einen Fundus für alle Fächer abdecken, kann ich Mebis auch für meine Kollegen langfristig schmackhaft machen.

  3. Ein dickes Problem vieler auf Moodle basierenden Lernplattformen ist ja auch, dass hier eigene, „abgespeckte“ Moodle-Versionen geschaffen werden, mit denen man sich aus der Entwicklung neuerer Moodle-Versionen ausklinkt. Warum nicht einfach Moodle, so wie es in der Community entwickelt wird und wächst? Und überhaupt, wer kommt auf die Idee, BigBlueButton aus Mebis herauszuhalten? Und zu den Moodle-Kursen selbst: Müssen es gleich Lernpfade sein? Das kann schon recht komplex werden – nicht so sehr Moodle-technisch, sondern didaktisch.

    Meine Moodle-Kurse sind einfacher: allgemeines Kurs-Management (SuS, Info, Ziele, Termine, Kommunikationsoptionen: Mail, Forum, BigBlueButton) – Kursstruktur in thematisch-zeitlichen Einheiten – Für jede Kurseinheit: worum es geht, Materialien (auch Verweise auf das Lehrwerk sowie Ton-/Videolinks) -Lernaktivitäten und Aufgaben(-Upload) in der Klasse oder Online – Unterstützende Tools: Forum für Diskussionen (vorbereitend, follow-up) und BigBlueButton-Räume (für die gesamte Klasse, Lernkooperationen in kleinen Gruppen, Gruppensprechstunde und Einzelsprechstunden) – Ferner nach Bedarf auch intern oder extern verfügbare Apps für Feedback und Interaktion, z.B. Mentimeter, Padlet oder Quizlet. Dies alles ist für Lehrer*innen mit großem didaktischen Gewinn (während und nach Corona!) – durchaus machbar.

    1. Vielen Dank für den Beitrag! Man darf nicht vergessen, dass mebis-moodle 1,7 Millionen Schüler*innen adressiert. Eine darin integrierte BBB-Instanz hätte ein gewaltiges Lastaufkommen zu bewältigen, das kann man nicht einfach als Plugin hinzufügen…

      1. Vielleicht liegt hier der Hase im Pfeffer: eine zentrale Verwaltung. Wie die technische Infrastruktur von Mebis ausschaut, kann ich nur vermuten. Aber: LMS und digitale Angebote sind m. E. zu zentralistisch gedacht. Herr Kohn beschreibt ja in seinem Ansatz den sinnvollen Einsatz. Da braucht es jedoch auf Stadt- oder Lkr-Ebene Kompetenz und Ressourcen. Womit die Ebene der Tools verlassen wird. Ich habe so unglaublich problemlos an der Hochschule mit Moodle und co. lehren können und frage mich mit Blick auf unsere Kinder, warum es an Schulen so schwer ist, praktikable Angebote, die auch Lehrende schnell lernen können, umzusetzen.

  4. Ein sehr guter Artikel, ich selbst bin ein großer Freund der Arbeit mit Teams und bin auch als Fortbilder tätig. Mein Hauptproblem bei mebis ist – neben den aktuellen Ausfällen – die behäbige Bedienbarkeit, die jeden Workflow bremst. In meinen Augen ist es genau jene, die die Akzeptanz in der Breite mindert. An Teams schätze ich übrigens vor allem die Möglichkeit, Aufgaben einzusammeln, zu korrigieren und zu feedbacken. Mein persönlicher Traum wäre eine nahtlose Integration von mebis-Kursen in Teams (man wird ja noch träumen dürfen…). Den Punkt der zentral entwickelten mebis-Angebote finde ich wichtig.

    1. Ich bin einer von sechs bayerischen Realschullehrkräften ( seit August pensioniert) die vor knapp 15 Jahren die Initiative ICUB, Innovativer Chemie-Unterricht Bayern, gegründet haben. Unterstützt von der ALP Dillingen erarbeiten wir 4 Jahre lang innovative Experimentiertechniken für Schüler und interaktive Selbstlernkurse, die in Moodle bereitgestellt wurden. Innerhalb von 2 Jahren wurden unsere Ergebnisse in dreitägigen Fortbildungen in allen Regierungsbezirken Bayerns kommuniziert.
      Wir hatten schnell erkannt, dass unsere Arbeit mit 2 Anrechnungsstunden nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein konnte. Da man nicht von jedem Lehrer erwarten kann, sich tief in die Materie einzuarbeiten, hatten wir damals – hochmotiviert wie wir waren- vorgeschlagen uns 1-2 Jahre komplett vom Unterricht zu befreien, damit wir Materialien zu allen Lehrplanthemen erstellen können. Leider wurde daraus nichts, unsere Arbeitsgruppe ICUB wurde nach 4 Jahren eingestellt. Uns wurde zu Verstehen gegeben, dass unsere Anrechnungsstunden auf Dauer zu teuer sind.
      Genau eine solche Arbeit von wenigen Spezialisten wäre in der jetzigen Krise sinnvoll.

  5. Servus Tobias,
    ein wirklich sehr gelungener und objektiver Beitrag – vielen Dank!
    Was ich persönlich in der allgemeinen Diskussion – auch im Zuge der vorübergehenden Genehmigung von MS Teams – vermisse, ist der Wunsch nach einer unabhängigen und dezentralen Lösung. Es wäre ein Leichtes (für die entsprechenden Fachleute) jeder Schule eine datenschutzkonforme Nextcloud-Instanz zur Verfügung zu stellen. Diese hat sich mittlerweile zum absoluten Kollaborations-Allrounder etabliert und kann neben der reinen Dateiverwaltung und -freigabe mit Tools wie Online-Dokumenten-Bearbeitung, Chat, Videokonferenzen, Aufgabenplanung, Kalender, E-Mail-Integration uvm. für alle denkbaren Plattformen aufwarten. Gerade das Chat- und Videokonferenz-Tool (Talk/Spreed) kann man mittlerweile für sehr große Nutzerzahlen sehr gut skalieren! Gehostet in entsprechenden Rechenzentren könnten die Instanzen zentral verwaltet und z. B. zwecks Benutzerverwaltung an die ASV angebunden sein. Auch ich finde technisch betrachtet die Lösungen von Microsoft oder Google super, aber für eine kostenvernünftige und datenschutzkonforme Lösung für alle Schulen wäre in meinen Augen die Nextcloud die Top-Alternative. Ich betreibe selbst eine kleine Webseite, auf der ich (eher technisch) beschreibe, wie man eine Nextcloud – und diverse andere Open-Source-Tools für Schulen – zum Laufen bekommt. Ich erdreiste mich, hier die URL zu nennen: schulnetzkonzept.de

  6. Hi, ich finde um alle digitalen Bildungsangebote wird viel zu viel Wind gemacht. Der Fokus sollte auf den Schüler und Schülerinnen liegen und nicht auf dem Versuch Digitalisierung auf biegen und brechen mit irgendwelchen Firlefanz auf die Beine zu stellen. Eine Verbesserung der Lehre und Lernens wird dadurch nicht erreicht. Zumindest sind das die Erkenntnisse aus den Umfragen an meine Schüler. Ein moodle Kurs erfordert ja einen Schüler vor einen Computermonitor zu setzen, für den ganzen Tag und das ist grober Unfug. Dadurch kann niemals eine Verbesserung eintreten. Sicherlich haben moodle Kurse ihre Berechtigung und ich bin sogar moodle Administrator an unserer Schule aber es sollte auch nur die Funktionalität genutzt werden die Sinn macht, nämlich Inhalte zusätzlich anbieten die man schlecht auf herkömmliche Art und Weise vermitteln kann. Zusätzlich ein quiz anbieten und eine Sammlung mit schönen Videos oder Applets die der Lernende individuell nutzen kann um seinen Lernfortschritt selbst zu steuern und zu vertiefen. Aber auch nur als zusätzliches Mittel und nie als Ersatz für den herkömmlichen Unterricht. Wir entfernen uns sonst nur von der eigentlichen Arbeit, nämlich Pädagogisch und vor allem menschlich auf die Lernenden einzugehen.

    Arbeitsmaterialien professionell erstellen zu lassen um sie dann in moodle nutzen zu können finde ich auch sehr bedenklich. Jeder Lehrer sollte seinen Unterricht selbst entwickeln und gestalten, denn nur dann identifiziert er sich auch damit und ist in der Lage seine Motivation gegenüber den Inhalten aufrecht zu erhalten. Das spüren die Lernenden und auch der Lehrer, also eine win-win Situation. Momentan führen wir mit dem Einsatz dieser digitalen Medien den Lernenden nur vor wie schlecht man es machen kann. Mit digitaler Kompetenz fördern hat das nichts zu tun.

    Beste Grüße
    Sebastian

    1. Hallo,

      danke für die Meinung; ich sehe das allerdings in ziemlich allen Punkten anders: Die digitale Transformation hat unser Leben so grundlegend verändert, dass Schule, die den Anspruch hat, Kinder und Jugendliche in ein gelingendes Leben zu begleiten, gar nicht anders kann, als die Vermittlung digitalbezogener Kompetenzen auf allen Ebenen schulischen Handelns mitzudenken. Ein paar Sätze dazu hab ich hier schonmal geschrieben:

      https://tobias-schreiner.net/2020/08/14/digitale-transformation-schule/

      Viele Grüße!

  7. „die Vermittlung digitalbezogener Kompetenzen auf allen Ebenen schulischen Handelns mitzudenken“ heißt aber nicht zwingend Unterricht rein digital zu halten 😉
    Digitales Hilfsmittel zu nutzen wenn sie was nützen ist natürlich super wichtig! Oftmals verfehlen wir aber dieses Ziel mit den bisherigen Anstrengungen digitaler Bildung.

    Liebe Grüße und eine schöne Zeit.

    Sebastian

    1. Hallo Sebastian,

      dies ist in „normalen“ Zeiten sehr korrekt aber in der jetzigen Situation mit Schulschließungen doch gänzlich anders. Genau jetzt braucht es digitalen Unterricht und nicht nur die Übermittlung von Aufgaben per Schulsoftware wie den Schulmanager. Es wäre ein so leichtes Unterfangen mit MS Teams, bei uns im schwäbischen Bayern ist die Software inkl. Lizenzen beschafft, wird aber nicht genutzt. Dies ist frustrierend und beschämend. Man diskutiert lieber über allmögliche Alternativen die aber alle keine sind und so rinnt eine Woche nach der anderen dahin.

  8. Das Problem: unsere Kinder sitzen jetzt daheim und müssen jetzt lernen und unterrichtet werden. Deshalb nützen all die (oft sehr guten) Ansätze und Ideen für noch zu entwickelnde Software nichts. Teams ist momentan die einzige Möglichkeit für jeden (Lehrer und Schüler) mit allverfügbaren Devices jeglicher Betriebssysteme online zu lernen, Onlineunterricht abzuhalten, Dateien auszutauschen und miteinander zu lernen. Mit einem Account und einem Login. Die Datenschutzdiskussion ist für mich lächerlich, wichtig ist mir die Bildung unsere Kinder zum jetzigen Zeitpunkt.

  9. Natürlich, teams ist super für den distanzunterricht, nutzen wir ja auch. Entschuldigung für die Verwirrung, ich bezog mich alleinig auf die allgemeinen Versuche der Digitalisierung an Schulen und dem kläglichen Versuch Lernrnden digitale Kompetenzen damit zu vermitteln. Das reine Nutzen solcher Tools bildet nur geringe digitale Kompetenzen ab.

    Beste Grüße
    Sebastian

  10. Lieber Tobias,

    der Beitrag bringt es auf den Punkt.
    Fundierter Praxisbezug und Sachkenntnis!

    Da ich mich in den bayerischen Strukturen nicht auskenne:
    Gibt es den erwähnten GIMP-Kurs für interessierte Kollegen aus dem tiefen Westen? 🖌

    Grüße
    Herr_Schaefer

  11. Wie schade!
    Ich werde mal in unserem Lehrerfortbildungsinstitut eine institutionelle Kooperation anregen, denn langfristig profitieren meiner Meinung nach alle, wenn das Rad nicht mehrmals neu erfunden werden muss…

    Trotzdem freue ich mich über tolle gute Arbeit in der Medienbildung!

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