Hybride (Lehrer-)Konferenzen gestalten

Vorbemerkung

Ich bin kein großer Fan von (Gesamt-)Konferenzen. An einer mittelgroßen Schule sitzen da 50 oder mehr sehr gut besoldete Beamt*innen in einem Raum und die allermeiste Zeit geht es um Dinge, die man entweder auch schriftlich hätte mitteilen können oder die nur einen Teil der Anwesenden interessieren oder betreffen. Gelegentlich, bei anspruchsvollen Themen, die es erfordern, die Gruppe zu „spüren“, sind sie sinnvoll. Gar nicht so selten dienen sie aber als Vorlesung oder als Theaterbühne für wiederkehrende Selbstvergewisserungsinszenierungen der Leitungsetage oder auch für Widerstandsfähigkeitsdemonstrationen einzelner Lehrkräfte; beides ist viel weniger unterhaltsam als es sich vielleicht anhören mag. Weil die Lehrerkonferenz aber nicht nur eine Veranstaltung, sondern auch ein juristisch verankertes Gremium ist, führt an ihr kein Weg vorbei – mehrmals im Jahr muss im Plenum getagt werden, um diejenigen Dinge zu entscheiden, die gemäß Schulrecht eben nur die Lehrerkonferenz beschließen kann.

Online-Formate

Im vergangenen Schuljahr haben wir fast alle Konferenzen online durchgeführt. Das funktioniert ganz hervorragend, wenn das Videokonferenztool leistungsfähig ist, man sich auf ein paar Grundregeln verständigt und für Abstimmungen einen guten Modus gefunden hat. Das Gesellige geht dabei zwar weitgehend verloren (wiewohl es auch online humorvoll sein kann); aber vielleicht ist es eh eine gute Idee, die Arbeitsebene und das (wichtige!) soziale Miteinander im beruflichen Umfeld in jeweils passenden Formaten zu bündeln – so kann dann auch jede*r selbst das passende Maß an Beteiligung für sich wählen.

Warum Hybrid-Formate?

Ich bin überzeugt davon, dass die Loslösung von zeitlichen und räumlichen Verbindlichkeiten uns dabei hilft, Arbeit und Privatleben besser in Einklang zu bringen. Lebenssituationen sind so verschieden, dass die Arbeit im immer gleichen Takt nur für einen Teil der Betroffenen stimmig ist. In der Pandemie ist es sowieso sinnvoll, nicht so viele Menschen eng in Räume zu packen; aber ganz unabhängig davon bietet ein hybrides Format, bei dem ein Teil des Gremiums vor Ort und ein Teil online zugeschaltet ist, viele Vorteile: Teilzeit-Lehrkräfte müssen an unterrichtsfreien Tagen nicht extra in die Schule kommen, um an der Konferenz teilzunehmen. Wer schon nach der dritten Stunde keinen Unterricht mehr hat, muss nicht warten. Und wer inhaltlich kaum betroffen ist, aber trotzdem interessiert, kann sich die Besprechung auf ein Ohr legen und nebenbei wandern gehen oder die Wäsche machen.

Was sind die Herausforderungen?

Reine Online-Formate sind viel einfacher als hybride Szenarien. Die Schwierigkeit liegt darin, durch Technik eine Interaktion zwischen einer größeren Gruppe im Raum und einer ebenso großen Gruppe online zu ermöglichen. Bei unserer Anfangskonferenz in diesem Schuljahr haben zum Beispiel rund 30 Lehrkräfte vor Ort und etwa 20 Personen online teilgenommen. Die sollen sich möglichst sehen, mindestens aber hören und in den Austausch kommen können. Dafür gibt es zwei Lösungsansätze:

  • Jede Person – auch die vor Ort – verwendet ein technisches Gerät und ist mit der Konferenz verbunden. Dann ist eine Interaktion über den Chat möglich und mit Knopf im Ohr oder einem (!) Audio-Signal auf den Lautsprechern können Anwesende vor Ort die Redebeiträge von Online-Teilnehmenden hören. In der Praxis halte ich dieses Setting für kaum erfolgversprechend, weil durch die Vielzahl an Geräten die Systeme schnell überlastet sind und es zu Echo- und Rückkopplungseffekten kommt, wenn in einem Raum mehrere Mikrofone und Lautsprecher gleichzeitig an einer Besprechung teilnehmen.
  • Die bessere Lösung ist die Verwendung eines oder weniger Streams aus dem Konferenzraum. Dafür können Webcams und spezielle Konferenzlautsprecher (mit integriertem Mikrofon) verwendet werden, die es von recht günstig bis ziemlich teuer gibt. Für kleinere Besprechungen sind solche Konferenzsysteme eine gute Lösung; lesenswert zu diesem Thema ist „Hybride Konferenzen meistern“ auf heise online.
Unser Setting für eine hybride Lehrerkonferenz

In der Anfangskonferenz hat die Schulleitung einen recht hohen Redeanteil (auch wenn ich versuche, das so weit wie möglich zu reduzieren). An verschiedenen Stellen gibt es Nachfragen / Beiträge aus dem Plenum; längere Debatten sind eher nicht zu erwarten. Für diese Gesprächssituation haben wir uns technisch so aufgestellt:

Im Online-Meeting sind neben den online teilnehmenden Lehrkräften der Schulleiter (SL) und eine weitere vor Ort anwesende Person eingeloggt. Die weitere Person (in unserem Fall jemand aus der erweiterten Schulleitung, für den es inhaltlich also nichts Neues gibt) fungiert als „Mittler zwischen den Welten“: Sie schaltet nach Meldung die online Teilnehmenden laut in den Raum, beobachtet fortwährend den Chat, bringt ggf. dort erscheinende Aspekte ins Plenum ein, und transkribiert bei Bedarf Inhalte in den Chat.

Wir hatten zwei Webcams mit integrierten Mikros im Einsatz: Die Logitech C920 ist unsere Allzweckwaffe und hatte schon im Unterricht mit von zuhause zugeschalteten Lehrkräften gezeigt, dass sie günstigen Preis (< 100 Euro), gute Weitwinkel-Bildqualität und ein ordentliches Mikrofon vereint. Wir haben die Kamera auf einem kurzen Stativ stehen und mit einem USB-Verlängerungskabel können wir sie flexibel positionieren. Eine der Kameras ist am SL-Notebook angeschlossen und wird so gedreht, dass sie diejenige Person aus dem Leitungsteam zeigt, die gerade spricht. Die zweite Kamera ist am Notebook des „Mittlers“ angeschlossen und zeigt ins Plenum. Am Notebook des Mittlers sind auch die Raum-Lautsprecher angeschlossen.

Ein bisschen tricky ist die Bedienung der beiden Kameras, Mikrofone und Lautsprecher:

  • Spricht jemand aus dem Schulleitungs-Team, ist das Mikro von der SL-Kamera eingeschaltet. Das andere Mikro muss ausgeschaltet sein, sonst haben die online Teilnehmenden ein Echo. Die Lautsprecher müssen ebenfalls ausgeschaltet sein, weil sonst eine Rückkopplung entstehen würde.
  • Spricht jemand, der online teilnimmt, schaltet der Mittler die Lautsprecher ein. Die Mikrofone der beiden Kameras müssen dann ausgeschaltet sein.
  • Spricht jemand aus dem Plenum, muss das Mikro der Schulleitungs-Kamera ausgeschaltet sein. Die Kamera vom NB des Mittlers kann ggf. zur sprechenden Person gedreht werden. Bis ca. 5 Meter Abstand sind Sprecher*innen sehr gut zu verstehen; sitzt jemand weiter weg, ist es empfehlenswert, zur Kamera hinzugehen.
  • Der Ton am SL-Notebook kann (leise) eingeschaltet bleiben, um ggf. zu hören, wenn jemand sich direkt zu Wort meldet.
Wie gut hat das funktioniert?

Überraschend gut. Wir mussten uns natürlich auf die Technik ein bisschen eingrooven, was auch zum ein oder anderen kuriosen Moment geführt hat. Zusätzlich war auch der Konrektor noch in die Konferenz eingeloggt (aber ohne Bild und Ton) und konnte im Chat gut unterstützen. Unmittelbar nach der Konferenz habe ich die Lehrkräfte um Feedback gebeten, das durchwegs positiv ausgefallen ist. Besonders die Familienfreundlichkeit des Settings wurde mehrfach wertschätzend rückgemeldet. Als Kritikpunkt kam, dass Beiträge aus dem Plenum teilweise nicht so gut verständlich waren; das Mitschreiben im Chat konnte das gut abfangen, aber da müssen wir prüfen, ob wir z.B. mit einem Funkmikro oder einem dedizierten Konferenzmikrofon in Raummitte noch eine bessere Qualität zustande bringen.

Fazit

Es ist mit sehr geringem Aufwand möglich, Lehrerkonferenzen hybrid zu veranstalten; die Vorteile liegen auf der Hand. Wir werden das deshalb auf jeden Fall weiter erproben, mit dem Blick über die Corona-Situation hinaus. Um weitere Erfahrungen mit kleineren und größeren Setings zu sammeln, werden wir zunächst alle Besprechungen (Gesamtkonferenzen, aber z.B. auch Fachsitzungen) hybrid anbieten, wobei die Kolleg*innen frei sind, ob sie online oder vor Ort teilnehmen. Daneben soll aber auch das soziale Miteinander seinen Platz noch bekommen – soweit das eben in der Pandemie möglich ist.

2 Kommentare

  1. Danke für den sehr guten und informativen Beitrag!
    Fehlen nur noch die Tipps: „Wie überzeuge ich meinen Chef“, der vermutlich (aufgrund der derzeitigen Situation) total überlastet ist und deswegen lieber eine Gessamtlehrerkonferenz im viel zu engen Lehrerzimmer macht.

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